Maart Wilken

MAART WILKEN

Ich studiere Produktdesign an der Bauhaus-Universität Weimar und interessiere mich für die Verbindung von Gestaltung, nachhaltigen Systemen und Materialien.

Als gelernter Bootsbauer bringe ich Erfahrung im handwerklichen Arbeiten mit unterschiedlichsten Materialien mit. Im Studium habe ich gelernt, diese praktische Perspektive mit digitalen Werkzeugen und gestalterischen Methoden zu verbinden.

In meinen Projekten bewege ich mich zwischen analogem Experimentieren und digitaler Entwicklung. Besonders interessieren mich offene Gestaltungsprozesse, Materialkreisläufe und die Frage, wie sich komplexe Zusammenhänge in verständliche und nutzbare Produkte übersetzen lassen.

Dabei ist mir wichtig, dass Ideen nicht theoretisch bleiben, sondern gebaut, getestet und erlebbar werden. Denn echtes Verständnis entsteht für mich vor allem durch das Machen.

Projekte

Linum Nr. 1

Linum Nr. 1 mit einem Gewicht von 580g

SOSE
2026

Maart Wilken

Robotisch gewickelte Natur Faser Strukturen

Linum Nr.1 erforscht, wie leichte und belastbare Faserverbundstrukturen aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden können. Das Projekt verbindet zwei Forschungsfelder: die Entwicklung biologisch abbaubarer Verbundwerkstoffe und einen robotischen Fertigungsprozess für ressourceneffiziente Leichtbaustrukturen.

Im Fokus der Materialforschung steht die Entwicklung eines Verbundwerkstoffs, der am Ende seines Lebenszyklus nicht recycelt werden muss, sondern in natürliche Stoffkreisläufe zurückgeführt werden kann. Parallel dazu wurde ein robotischer Wickelprozess entwickelt, bei dem Flachsfasern gezielt entlang der auftretenden Kräfte angeordnet werden. So entstehen belastbare Strukturen mit minimalem Materialeinsatz.

Das Ergebnis des Projekts sind erste Materialproben sowie ein ultraleichter Hocker. Da die Materialentwicklung und der Fertigungsprozess innerhalb des Projekts noch nicht vollständig zusammengeführt werden konnten, besteht der Hocker derzeit noch aus Flachsfasern und Epoxidharz.

Gewickelte Probe Objekte

Robotik

Die Struktur des Hockers wird von einer 4-Achs-CNC-Maschine durch einen automatisierten Wickelprozess in zwei Stufen hergestellt. 

Zunächst entsteht ein tragendes Faserskelett aus Flachsfasern, die Anhand der benötigten Statik ausgerichtet werden. Die Wickelbahnen werden mithilfe eines Grasshopper-Skripts berechnet. Hier wird die Form des Hockerbeins definiert.

 Anschließend wird dieses Gerüst mit weiteren Fasern umwickelt, die eine flächige „Haut“ bilden und die Struktur erst richtig aussteifen. So entsteht mit minimalem Materialeinsatz eine leichte und gleichzeitig belastbare Konstruktion.

Linien Zeichnung, Input Slicing Grasshopper Skript

 Umwickeltes Bein mit "Haut"

Gewickeltes "Skelett"

Grasshopper Skript zur G-Code generierung

Material Forschung

Konventionelle Faserverbundwerkstoffe bestehen meist aus Kunstharzen, die nur schwer recycelt werden können. Deshalb untersucht dieses Projekt biologisch abbaubare Alternativen auf Basis von Flachsfasern und Arboform, einem biobasierten Werkstoff aus Lignin. Nach der Analyse verschiedener Materialien und Gesprächen mit Expertinnen von Firmen und Instituten wurde Arboform als vielversprechende Lösung ausgewählt.

Mithilfe einer beheizten Presse habe ich Arboform gemeinsam mit Flachsfasern zu einem homogenen Verbundwerkstoff verarbeitet und die entstandenen Proben in einem 3-Punkt-Biegeversuch mit Flachs-Epoxidharz-Verbundwerkstoffen verglichen. Dabei erreichte der Arboform-Verbund 92 % der Belastbarkeit des konventionellen Vergleichsmaterials. Die Ergebnisse zeigen, dass das Material die statischen Anforderungen erfüllt und gleichzeitig eine nachhaltigere Alternative zu herkömmlichen Faserverbundwerkstoffen bietet.

Setup zum Heiß verpressen

Verschiedene Material Proben (GFK, NFK, Reslin, Arboform 01, Arboform 02)

3 Punkt Biegeversuch

NFK

 

GFK

 

Arboform 01

 

Fiber Extruder mit Impregnierung

Darüber hinaus habe ich bereits versucht, das Materialkonzept auf das Faserwickelverfahren zu übertragen. Dabei bin ich jedoch an Grenzen gestoßen. Arboform hat eine zu hohe Viskosität, wenn es nur durch Hitze geschmolzen wird, sodass eine vollständige Imprägnierung der Flachsfasern durch ein einfaches Durchführen durch ein Bad nicht möglich ist.


Ein möglicher Ansatz zur Verbesserung wäre die zusätzliche Einbringung von Druck und Scherkräften, beispielsweise durch Walzen oder einem Schneckenextruder, um die Matrix niedriger Viskos zu bekommen und besser in das Faserbündel zu infiltrieren.

Handgewickelte Flachsfasern mit Arboform

Ausstellung

Betreuung:

Jun. Prof. Thomas pearce

HIVE

Zwischen Convenience und Verantwortung

HIVE ist ein spekulatives Konzept, das sich mit einer einfachen Frage beschäftigt: Wie werden wir in Zukunft leben, kochen und Lebensmittel aufbewahren? 

Ausgehend von gesellschaftlichen Entwicklungen wie zunehmendem Alleinleben, begrenztem Wohnraum und dem Wunsch nach nachhaltigeren Konsummustern hinterfragt HIVE den klassischen Kühlschrank als zentrales Aufbewahrungssystem. Das Konzept ersetzt ihn durch ein modulares Kapselsystem, das Lagerung, Organisation und Nutzung von Lebensmitteln effizienter, platzsparender und ressourcenschonender gestaltet. 

WISE
25/26

Marius KIntzel
Allioune Buck
Maart Wilken

Workflow

Wir begannen den Entwicklungsprozess von HIVE mit einer umfassenden Recherche zu aktuellen Essgewohnheiten, Kühl- und Lagersystemen, Verpackungen sowie bestehenden Pfandlösungen. Anschließend analysierten wir die gewonnenen Erkenntnisse, um Probleme, Bedürfnisse und Hemmnisse im Umgang mit Lebensmitteln zu identifizieren. 

Auf dieser Grundlage entwickelten wir eine Zukunftsvision für das Jahr 2050, in der ein zirkuläres Pfandsystem Einkauf, Lagerung, Verzehr und Rückgabe nahtlos miteinander verbindet. Aus diesem Szenario heraus gestalteten wir HIVE. Durch Prototyping und visuelles Storytelling mit AI-generierten Videos machten wir unsere Vision schließlich greifbar und erlebbar.

HIVE ist mehr als nur ein neues Kühlsystem. Es ist die Vision eines zirkulären Lebensmittelkreislaufs. Im Mittelpunkt stehen standardisierte Mehrwegkapseln, die Einkauf, Lagerung, Verzehr und Rückgabe miteinander verbinden. Statt Einwegverpackungen werden Lebensmittel in wiederverwendbaren Behältern angeboten, die nach der Nutzung über ein flächendeckendes Pfandsystem zurückgeführt, gereinigt und erneut befüllt werden.

 

In unserer Zukunftsvision für das Jahr 2050 ist Verpackungsmüll nahezu verschwunden. Die transparenten Kapseln sind auf Portionsgrößen abgestimmt, besonders für alleinlebende Menschen, und lassen sich nahtlos in das Lagersystem integrieren. Durch die Verwendung von Monomaterialien können beschädigte Behälter vollständig recycelt und wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Das System unserer heutigen Mülltransports wird für das Pfandsystem übernommen. SO können die Kapseln ohne großen Mehraufwand direkt zuhause abgeholt werden.

System

Betreuung:

Prof. Gerrit Babtist
Dipl. Des. Klea Schlimm

Arca

SOSE
2024

Marius KIntzel
Maart Wilken

NACHHALTIGKEIT DURCH WERTSCHÄTZUNG

Im Mittelpunkt von Arca steht die Idee, Dinge bewusster wahrzunehmen und ihnen einen besonderen Platz im Alltag zu geben. Denn was geschätzt wird, bleibt länger erhalten, wird gepflegt und nicht einfach ersetzt. Genau darin liegt ein nachhaltiges Potential.

Arca dient als vielseitiges Aufbewahrungsobjekt für die kleinen Dinge, die uns täglich begleiten: ob Brille, Schmuck, Lippenstift oder andere persönliche Gegenstände. Durch die Geste des Verwahrens erhalten diese Dinge mehr Aufmerksamkeit und Wertigkeit.

Die Gestaltung verbindet klare, zeitlose Formen mit einer organischen, lebendigen Anmutung. Farbige Details schaffen individuelle Akzente und verleihen jedem Objekt eine persönliche Note. Das Zusammenspiel aus Form, Material und Haptik gibt Arca eine besondere Präsenz, die nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar wird.

Arca ist kein Objekt, das verschwindet oder versteckt wird. Ob am Rucksack, an der Gürtelschlaufe oder als tragbares Accessoire, es wird zu einem charaktervollen Begleiter und zu einem sichtbaren Ausdruck von Wertschätzung und bewusstem Design im Alltag.

Gibs Formen

Formen Bibliothek

Die Formfindung entstand in einem Wechselspiel aus analogen und digitalen Methoden. Zu Beginn wurden Freiformen aus Gips geschnitzt, um möglichst viele unterschiedliche Körper zu erzeugen. Da das Objekt später gut in der Hand liegen sollte, war die direkte Arbeit mit dem Material ein wichtiger Teil des Prozesses.

 

Die Modelle wurden anschließend gescannt und digital analysiert. Besonders interessante Formbereiche wurden gesammelt und zu einer Formenbibliothek zusammengestellt. Mit diesen Fragmenten arbeiteten wir anschließend wieder analog weiter, indem wir Formen kombinierten und mit Modelliermasse miteinander verbanden.

 

Die daraus entstandene Form wurde erneut eingescannt und digital verfeinert. So entwickelte sich der Entwurf Schritt für Schritt durch den Wechsel zwischen handwerklicher und digitaler Gestaltung.

Workflow

Betreuung:

Prof. Martin Kuban

Grassi

okt
2025

mara kossina
Josefine Dransfeld
Marius KIntzel
Ben Patzina
Luca Schreiber
Leopold Kirschner
Maart Wilken

Ausstellung auf eigene FAust

Die GRASSI Messe in Leipzig ist ein Treffpunkt für Design, Kunst und Gestaltung im historischen GRASSI Museum für Angewandte Kunst. Studierende, junge Gestalter:innen und etablierte Designer:innen kommen hier zusammen, um ihre Arbeiten zu zeigen und sich auszutauschen.

Im Rahmen der Teilnahme meines Studiengangs haben wir, ein Paar “Produktis”, die Ausstellung gemeinsam geplant., ohne dabei unterstützung von der Uni zu bekommen. Ich habe dabei die Kuratierung und die Planung der Podeste übernommen. Da das Budget sehr begrenzt war, haben wir versucht, möglichst mit vorhandenen Materialien zu arbeiten.

Über das Museum Neues Weimar konnten wir ausrangierte Plexiglasvitrinen weiterverwenden. Aus diesen sehr unterschiedlichen Teilen haben wir einfache Podeste gebaut, die wir mit gebogenen Stahlhaltern stabilisiert und neu zusammengesetzt haben. So ist aus vorhandenem Material eine einfache, funktionale Lösung für die Ausstellung entstanden.

Seamster

WISE
24/25

Oskar Langenberg
Freaser Bean
Maart Wilken

Strukturen aus Astgabeln

Der Seamster entstand im Kurs IrreguLab Y innerhalb des Forschungsprojekts IrreguLab, das sich mit dem Gestalten aus irregulären Materialien beschäftigt. Im Fokus standen Astgabeln aus der Forstwirtschaft, die normalerweise als Restmaterial aussortiert werden.

Für das Projekt haben wir gezielt Astgabeln untersucht, die Astlöcher und Verfaulungen aufweisen. Die Spuren von Brüchen und Verletzungen sollten nicht versteckt, sondern bewusst Teil des Entwurfs werden. Daraus entstand eine Struktur, die das Thema Reparatur sichtbar macht und den Umgang mit beschädigtem Material gestalterisch interpretiert.

Astgabel Bibliothek

Grasshopper Skript zum Clustern

Workflow

Zu Beginn sammelten und scannten wir zahlreiche Astgabeln und bauten daraus eine reale und digitale Bibliothek auf. Mithilfe eines Grasshopper-Skripts wurden ähnliche Formen analysiert und zu Clustern zusammengefasst, aus denen jeweils archetypische Grundformen entstanden.

Auf Basis dieser Archetypen entwickelten wir in Rhino digitale Strukturen, die anschließend mit den realen Astgabeln umgesetzt werden konnten. So entstand ein Workflow, mit dem sich variable Strukturen aus unregelmäßigen Materialien entwickeln und gestalten lassen.

Betreuung:

Jun. Prof. Thomas pearce
M.Sc. Katharina Thurow
b.A. phillip enzmann
m.sc. lukas kirschnik
m.sc. su ko Paing

Kipp

SOSE
2024

Ben Patzina
Maart Wilken

den eigenen Arbeitsplatz gestalten

Viele Studierende störten sich an den starren, schweren Tischen der Universität. Deshalb entstand KiPP: ein leichter, kippbarer Arbeitstisch, der sich flexibel an unterschiedliche Phasen des Designprozesses anpasst.

Der Tisch bietet zwei Positionen: eine kompakte Arbeitsfläche mit Pinnwand für Recherche und Konzeption sowie eine große Fläche für Modellbau und praktisches Arbeiten. So kann der vorhandene Raum effizient genutzt und der Arbeitsplatz je nach Bedarf verändert werden.

Betreuung:

Prof. Gerrit Babtist
Dipl. Des. Klea Schlimm

HIWI JOBS

CNC Fräsen Betreuung

Neben dem Studium war ich in verschiedenen Bereichen der Bauhaus-Universität Weimar als studentische Hilfskraft tätig. Von dem 3. bis zum 5. Semester habe ich die studentisch geführte CNC-Fräswerkstatt der Professur Emerging Technologies and Design betreut. Dabei unterstützte ich Studierende bei der Umsetzung ihrer Projekte, erstellte Fräsdaten und bediente die Maschinen.

Workshop:
In tune

Im 5. Semester unterstützte ich die Vorbereitung und Durchführung des Forschungsprojekts IN TUNE unter der Leitung von Mira Müller und Mara Trübenbach. Das Projekt untersucht Material als aktiven Mitgestalter im Designprozess und verbindet handwerkliche, digitale und performative Methoden. Während des Workshops unterstützte ich die Organisation, den Aufbau sowie die Teilnehmenden bei Fragen zu Materialbearbeitung und digitaler Fertigung.

Ausstellung:
IN Tune

Aktuell arbeite ich an der Kuratierung, Gestaltung und Umsetzung der Wanderausstellung zum Forschungsprojekt IN TUNE wobei die Forschungsergebnisse in ein öffentlich zugängliches Ausstellungsformat übersetzt werden sollen.

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